Essays, Lyrik und Artikel aus der Feder von Raphael Lepenies werden maßgeblich auf www.MutHafen.de veröffentlicht. Zudem schreibt er auch Skripte für Rundfunksendungen und Reportagen, mehr dazu ist im Bereich „Sprecher“  zu finden. Hier einige Lese- und Vorleseproben:

Fremde Freunde

(Essay auf www.MutHafen.de)

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Jeder Freund war zuvor ein Fremder. Dieser Tage stecken Kleingeister wie im Mittelalter Häuser in Brand. Um Menschen zu verletzen und zu vertreiben, die ihnen zu fremd scheinen, als dass sie ihr eigenes Mensch-Sein in ihnen erkennen könnten. Die Angst vor der Fremde macht nicht nur blind und unmenschlich, sondern sie ist langfristig auch das selbstzerstörerischste Verhalten überhaupt.

So vieles, was uns einst fremd war, ist heute unser normales Leben. Weißt du noch als dir dein bester Freund noch ein Fremder war? Du wusstest nichts und das war okay. Und weil es okay war, konnten aus Fremden Bekannte werden und aus Bekannten wurden Freunde. Es liegt in der Natur unseres kleinen Verstandes, das Sichere dem Unsicheren vorzuziehen, aber in der Fremde liegt das Neue, und das Neue war schon immer das, was uns zu den fortschrittlichen Wesen gemacht hat, die wir heute sein dürfen. Das Neue war schon immer der Motor der Evolution.

Wer auch immer diese Welt gemacht hat, nicht er hat Grenzen zwischen Länder gezogen, sondern Menschen, die Angst vor der Fremde hatten. In einer Welt, in der Märkte, Kulturen und Informationen verschmilzen, ist das Annehmen der vielfältigen Fremde kein Entscheidung mehr von Pionieren und Entdeckern, sondern eine Notwendigkeit für das Fortbestehen der menschlichen Spezies. Waren Gemeinschaften früher noch einzelne Kulturkörper, die nichts vom Anderen wussten, so können wir heute nicht mehr leugnen, dass wir Teil eines Ganzen sind. Mit diesem Wissen obliegt uns die Verantwortung unsere individuelle Freiheit bestmöglich zum Wohle des Ganzen einzusetzen. Warum? Warum sollte uns kümmern, was jenseits unserer selbstgeschaffenen Grenzen vor sich geht?
Kollektiv wie individuell ist ein gesunder Körper einer, dessen Zellen alle ein Ziel verfolgen, nämlich das Wohlergehen das gesamten Körpers zu sichern mit all seinen verschiedenen Organen und Funktionen. Die Krebszelle hingegen ist jene, die sich weigert mit ihrem Körper zusammen zu arbeiten. Sie will ihr eigenes Ding machen und bildet ihre eigene Masse, die nur ihr eigenes Wohl und ihr Fortbestehen im Sinn hat, nicht aber das Wohl des gesamten Körpers. Eine Masse an Krebszellen glaubt also, sie wäre ihr eigener Körper und zerstört damit ironischerweise den eigentlichen Körper, der sie am Leben erhält. Die Krebszelle hält sozusagen für fremd, was letztlich lebenserhaltend für sie ist. Sehen wir die Welt nun als Körper wird deutlich, welchen Schaden wir anrichten, wenn wir weiterhin Mauern errichten, Kontrolle der Menschlichkeit vorziehen und nur unsere eigene Masse im Blick haben. Wir brauchen die Fremde, denn erst wenn wir erkennen, dass wir zwar verschiedene Menschen, aber eine Menschheit sind, kann Heilung stattfinden. Nur dann kann die Menschheit mit Hilfe simpelster Menschlichkeit einzelner Menschen überleben. Wahre Einheit bedeutet nicht unbedingt das Schätzen und Schaffen von Gemeinsamkeiten, also das gleich werden, sondern die Akzeptanz unserer Unterschiede, also die Annahme des Neuen, an dem wir wachsen dürfen. Dann werden wir nicht gleich, aber wir bauen Brücken, die uns erkennen lassen, wer wir wirklich sind. Jeder Freund war einst ein Fremder und jeder Fremde ist vielleicht ein Freund, der gefunden werden will.

 

L(i)ebe wohl!

(Essay auf www.MutHafen.de)

 

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Ich habe gelebt, geliebt und ich habe verloren. Kürzlich lag ich noch lange wach gequält von einem Gedanken: Igendwann müssen wir jedem Menschen, dem wir jemals nahe waren, „Lebe wohl“ sagen. Das ist kein melodramatischer Mittzwanziger Herzschmerz, sondern biologischer Fakt. All diese tollen Menschen und Wesen in meinem Leben, sie alle muss ich irgendwann loslassen, weil es, entweder für sie oder für mich, Zeit ist zu gehen. Jeder großen und kleinen Liebe werden wir „Leb wohl“ sagen müssen. Ich will ehrlich mit euch sein: Mir hat der Gedanke, so zu Ende gedacht, eine Scheißangst bereitet. Brene Brown nennt das auch „Foreboding Joy“, eine verhängnisvolle Freude: Der Moment, wenn wir realisieren, das gerade alles perfekt ist, wenn die Mutter ihr friedlich schlafendes Baby betrachtet. Wenn wir gerade am glücklichsten scheinen, gerade dann fragen wir uns „Aber was wäre wenn…“ „was wenn all das vorübergeht?“ „Was, wenn ihm/ihr etwas schreckliches zustößt?“ Wir verlassen das Glück, um im Kopf schon die Tragödie zu proben. So ging es auch mir in besagter Nacht. Letztlich, nachdem kein Angstschweiß und keine Träne mehr übrig war, kam mir eine leise aber fundamentale Ahnung: Genau darin besteht der Schatz des Lebens. Die Kostbarkeit liegt in eben dieser Realisierung, dass alles vergänglich und kein noch so kleiner Funke Freude selbstverständlich ist. Am Ende bereuen wir nicht was wir riskiert, sondern was wir nicht gewagt haben. Umfragen unter Hinterbliebenen von Unfallopfern zum Beispiel haben ergeben, dass es nicht die großen sentimentalen Momente sind, die sie vermissen, sondern die kleinen Momente: „Das Geräusch vom Türschloss, wenn er von der Arbeit kommt“ „Das leise Atmen, wenn sie schläft“ „Die belanglosen Geschichten, die er immer mit einem solch herzzerreißenden Stolz erzählt hat.“ All diese Menschen haben sich am Ende gewünscht, sie wären präsenter mit diesen kleinen Momenten gewesen, hätten sich mehr ins Glück gelehnt, statt das unvermeintliche Ende zu fürchten. Und genau das ist auch meine Konsequenz; Dankbarkeit nicht als fancy „Mindset“, sondern als gesunder Menschenverstand. Immer wenn ich Angst bekomme, dass es enden wird, sage ich tief in meinem Herzen Danke und lehne mich noch weiter in den Moment. Denn dann werde auch ich irgendwann von der Welt gehen mit der Gewissheit: Ich habe gelebt!

Land in Sicht!

(Essay auf www.MutHafen.de)

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Stürmische Zeiten. Wenn dunkle Wolken über mir sind, liegt es an mir zu erinnern, dass ich dahinter immernoch dieselben Lichter find. Was bestimmt den Kurs? Rückenwind oder Gegenwind?
Wir sind aus Körpern, aus Organen, Molekülen und Atomen. Und Atome sind aus Teilchen und Diese sind aus Energie. Auch Gedanken sind aus Energie. Deine Aufmerksamkeit, wie ein Steuerrad, kann diese Energie lenken. Aktiv und konstruktiv, aber auch passiv und destruktiv. Du kannst dein Schiff in die Felsen lenken, aber genauso in die Morgendämmerung. Lass Emotion dein Kompass sein.
Leben geht nur vorwärts. Aber wenn jeder Schritt vorwärts in die immerselben Stolperfallen führt, dann ist Zeit inne zu halten. Denn Leben wird nicht nur vorwärts gelebt, sonder zumeist auch nur rückwärts verstanden. Vielleicht ist jetzt die Zeit im Rückblick zu verstehen. Die Zeit, im Sturm die Segel abzunehmen, um in der Stille wieder Rückenwind zu sähen.

Komm dann zur Ruhe. Hör in dich hinein. Finde Heimat in kleinen Momenten der Stille. Trau dich und schau hin. Im Auge des Sturmes ist es nicht nur still, wir werden dort auch reich beschenkt. Wo wir am meisten leiden, liegt auch ein Schatz aus großer Sehnsucht. Wenn wir sie annehmen, uns mit ihr anfreunden, dann haben wir rückwärts verstanden. Der Himmel klart auf.
Sehnsucht, einmal befreit, führt dich wie Sterne den Seefahrer aus vergangener Zeit. Ein zwar unerreichtes Licht, das aber den Weg nach Hause zeigt. Die Sehnsucht will nichts lieber, als dich zu tragen. Sie will dich zu dem tragen, der du geworden bist. Vertrau ihr, dann wendet sich das Ruder von ganz allein. Dann werden Segel gesetzt, dann sind die Kräfte wieder vereint.
Lebe sodann vorwärts gewandt. Wer sich, in solchen Zeiten dann, damit aufhält, Karten zu lesen, verpasst die besten Abzweigungen, die das Leben zu bieten hat. Deshalb schau nach vorn. Dort liegt der Schatz aus Gelegenheiten. Gelegenheiten für mehr Glück, mehr Liebe, mehr Freiheit, mehr Wir.
Versuch nicht den Wind zu drehen, sondern dreh die Segel. Nimm das Steuerrad in beide Hände. Lenke du deine Gedanken. Da ist wieder einer, da noch einer, da noch einer. Immer mehr von ihnen kannst du greifen. Denk mit Absicht! Form mit Fantasie!
Bau dir Gedanken so prächtig wie Paläste. Wähl jedes Detail penibel aus. Mal mit Worten. Mal deine Welt. Deine Welt in schönsten Farben und die Schönsten Farben werden deine Welt.
Das ist dein Leben, dein Schiff, deine Entscheidung. Die Verantwortung liegt ganz bei dir, aber mit ihr auch deine ganze Macht. Du kannst entscheiden, auch wenn du dir noch so machtlos vorkommst. Eine Meile nach der anderen, kannst du dich aus dem tiefsten Dunkel der gestrigen Nacht in die Sonne eines neuen Tages bewegen. Wie sehr die See auch tobt, der Himmel hält, was er verspricht. Alles was du brauchst, hat Heimat in dir. Du kannst das. Schau, bald schon ist dann Land in Sicht!

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